Nach einem heißen Sommertag ziehen am Abend des 12. Juli 1984 kurz nach 20.00 Uhr vom Westen her plötzlich tiefschwarze Gewitterwolken über München auf. Unmittelbar danach setzen Sturmböen mit Windstärke 11 ein, und die Temperatur fällt innerhalb von fünf Minuten von 26 auf 16 Grad Celsius. Das ist der Auftakt zu einer der verheerendsten Hagelkatastrophen der Nachkriegszeit, die in der bayerischen Landeshauptstadt und den umliegenden Landkreisen eine Spur der Verwüstung hinterläßt. Der Riemer Flughafen liegt im Zentrum des Unwetters und wird von Hagelkörnern, die die Größe von Tennisbällen erreichen, erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Hagelschaden wird auf 1,5 Milliarden DM beziffert

Insgesamt 22 große Passagierjets, davon zehn der Lufthansa. Die Machinen waren zum Teil nicht mehr flugfähig. Von den 148 dort im Freien abgestellten Sportmaschinen wurden 90% beschädigt. Kabinenfenster u. Pilotenkanzeln wurden zerschlagen. Einige Maschinen hatten nach dem Unwetter nur noch Schrottwert. Rund 400 am Flughafen geparkte Autos und Tausende in der Stadt sahen aus wie nach einer Explosion — Windschutzscheiben und Rückfenster geborsten, das Blech über und über mit Beulen bedeckt.« Auf 1,5 Milliarden DM beziffert die Versicherungswirtschaft den Gesamtschaden, den der Hagel in München und Umgebung verursacht. Für die Beseitigung der Gebäudeschäden am Flughafen München muß die FMG insgesamt 3,4 Millionen DM aufwenden.

Lufthansaflotte stark dezimiert

Mit 28 der 517 Steckenabschnitte, welche die Lufthansa seinerzeit täglich beflog, wurden durch die eisigen Geschosse vorübergehend 5% des gesamten Streckennetzes lahmgelegt. Der Hagel durchschlug Steuerklappen u. Ruder der Boeings u. setzte sie innerhalb von 20 Minuten außer Betrieb.

Zwanzig Techniker arbeiten ununterbrochen im Schichtdienst, um die fünf Boeing 737 u. fünf Boeing 727 zumindest so weit wiederherzustellen, daß diese in die LH-Werften in Hamburg u. Frankfurt geflogen werden können. Derweil versucht die Gesellschaft die Folgen des Unwetters für Fluggäste so gering wie möglich zu halten. Eine Ersatzflotte gab es zwar nicht, die Lufthansa kündigte aber am Freitagabend in Köln an, daß sie ihre Flüge am Wochenende „fast zu hundert Prozent“ abwickeln werde, trotz der Beschädigung der zehn Maschinen in München. Dies erreichte die Fluggesellschaft durch die Ausnutzung „aller verfügbaren Reserven u. entsprechende Änderungen des Flugzeugumlaufs“.

20 Millionen D-Mark Hagelschaden an Boing 757 der LTS

Den größten Einzelposten in der Schadensbilanz bildet eine fabrikneue Boeing B757-2G5 mit der Baunummer 23118/ 36 der Chartergesellschaft LTS (die spätere LTU SÜD), die sich bei Ausbruch des Unwetters gerade im Landeanflug befand. Die 757 war erst am 31. März 1984 aus der Produktionshalle von Boeing gerollt und mit dem Kennzeichen D-AMUR am 25. Mai an LTU übergeben und direkt an LTS vermietet worden. Die Boing 757 wurde durch den Hagel derartig beschädigt, dass die Reparatur dieser Schäden bei Boeing in Seattle bis Ende März für rund 20 Millionen DM durchgeführt werden musste.