Der Münchner Verkehrsflughafen war am 19. Mai 1965 für 24 Stunden lang Brückenkopf. Einundvierzig meist viermotorige Flugzeuge und einige tausend Passagiere bauten eine Fußball-Luftbrücke zwischen Riem und London zum Europa-Pokalspiel.

Noch nie mußten im „Airport“ der Landeshauptstadt innerhalb eines Tages so viele Fluggäste und Maschinen abgefertigt werden. Mit übernächtigten Gesichtern besetzten gegen 4 Uhr früh die ersten Fußballfans den Flughafen. Ab 5 Uhr rückten sie in größeren Scharen an, mit eingerollten Fahnen, Stofflöwen aller Kaliber, Trompeten, umgehängeten Film- und Fotokomercs und vereinzelt sogar mit Trommeln. Die ersten Maschinen wurden startklar gemacht. Ihre silbernen Rümpfe und Tragflächen glänzten matt im Nieselregen.

Um 5.06 Uhr donnerte die erste Viermotorige über die Startbahn und acht Minuten später hob der zweite Vogel ab. Gegen 11 Uhr kamen die Flugzeuge der Vorhut schon wieder zurück um erneut mit Kurs London zu starten. Immer mehr Flugzeuge gaben sich auf dem Vorfeld ein Stelldichein, bis sich schließlich eine ganze Luftflotte versammelt hatte. Da die deutschen Gesellschaften des Bedarfsverkehrs durch den Touristik-Boom zur Luft keine Maschine übrig hatten, mußten aus ganz Europa für die Luftbrücke Flugzeuge zusammengechartert werden. So stand in Riem eine internationale Flotte (British United, Dan Air, Braathens, Air Ferry, Trans-air, Caledonian, Globair, Saturn usw.) starte bereit. Bis von Norwegen, Schweden und sogar aus USA waren Charter-Maschinen für den großen Fußball-Treck nach München geflogen; darunter folgende Typen: DCe4, DC-6B, DC-7, DC-7C, „Bristol Britannia“, „Are gonaut“, „Ambassaclor“, „Constenation“ und „Handley Page“. Ab 7 Uhr ging es dann Schlag auf Schlag. Zwanzig Flugzeuge rollten in Abständen von oft nur drei und vier Minuten zum Runway und hoben ab. Dazwischen selbstverständlich auch die Frühmaschinen des Linienverkehrs. Wie ein Uhrwerk schnurrte der Betrieb ab. Flugsicherung und Verkehrsabteilung des Flughafens leisteten eine exakte Generalstabsarbeit. Immerhin handelte es sich um 40 Fußball-Sonderflüge und über 3800 Passagiere. Der Flughafen hat eine Art Feuertaufe bestanden. Trotz der mittlerweile sehr beengten Verhältnisse konnten die knapp 4000 Passagiere der Sonderflüge neben den Fluggästen des normalen Liniendienstes reigbungslos abgefertigt werden. Allerdings hatten die Fußball-Schlachtenbummler außer ihren Trophäen und Maskottchen kein Gepäck, so daß die Voraussetzungen sehr günstig waren.

Zwischen 12.00 und 14.30 Uhr herrschte auf dem Flughafen noch einmal Hochbetrieb, ähnlich wie am Tag der offenen Tür. Nur mit dem Unterschied, daß es sich nicht um Schaulustige, sondern um Fluggäste handelte. Der zweite große Schwung startete friedlich in Richuntung England. Kurz darauf stand das tägliche Treffen der EuropoJets auf dem Programm. Nachdem auch die Düsen,- flugzeuge und die verschiedenen Anschlußmaschinen wieder gestartet waren, bekam Riem eine kurze Schnaufpause. Verlassen standen auf den großen Parkplätzen vor dem Flughafengebäude einige tausend Personenautos wie eingemauert. Selbst der Findigste konnte keine Lücke mehr finden. In den frühen Morgenstunden gegen 1 Uhr begann auf diesen Plätzen ein großes Rangieren. Die ersten Maschinen kamen auf der Luftbrücke zurück und jeder wollte der erste auf Kurs zum heimatlichen Bett sein.

Der Münchner Verkehrsflughafen belegte damit seinen ersten Fluggastrekord. Am 10. Mai wurden 8.071, am 20. Mai sogar 8.632 Fluggäste gezählt – die sonst üblichen Fluggastzahlen im Jahr 1965 lagen bei 5000 Fluggästen am Münchner Flughafen pro Tag.